Archive for Februar 2009
Don Alberto
Don Alberto ist ein interessanter Mensch, einer derjenigen, welchen kennenzulernen es sich lohnt. Ein Künstler. Auf seine Art realistisch und echt ist seine Welt, in welcher er sich bewegt. Oben in den Wäldern von Tissey über Estelí.
Als wir ihn bei seinem einfachen Haus antreffen, präsentiert er uns stolz eine Fotografie mit ihm vor einer seiner Skulpturen. Und bringt uns ein Gästebuch, wo wir uns einschreiben. Name, Vorname, Nationalität und Mobiltelefonnummer. Mehrere Tausend Besucher waren schon bei ihm. Wir haben zwei Brote mitgebracht, welche wir ihm schenken. Er freut sich, verstaut sie und nimmt uns mit auf einen Rundgang durch seine kleine Welt.
Während andere Tagebücher schreiben, so verarbeitet Don Alberto seit Jahrzehnten seine Eindrücke, Träume, Ideen und Spiritualitäten auf seine Weise: er meisselt Figuren und Geschichten in Stein und Fels seiner Finca.
Als Junge hatte er einen Traum, eine Erscheinung. Darin wurde ihm seine kleine Welt gezeigt, die er nun tagtäglich in Realität umsetzt. Eine Welt mit vielen sorgfältig gepflegten Pflanzen, Bäumen, Früchten, Kaffee, Orchideen. Mit Wasser gefüllte Mulden damit die Vögel sich tränken können. Natur pur. Und mitten drin die Steine. Was mit losen, einfach bemalten Steinen anfängt, steigert sich immer mehr, auf dem Weg, seinem Weg, geprägt von gewichtigen Weltereignissen und weniger weltbewegenden persönlichen Gedanken. Mit wiederkehrenden Elementen wie dem grossen starken Tiger, dem Symbol für den Jugendlichen Mann der sich mit Alkohol betrinkt und sich dadurch gross und stark fühlt.
Neun verschiedene „Rassen“ Ananas zieren den Weg nach oben. „Gott hat mir eine sehr gute Hand im Umgang mit Pflanzen geschenkt.“
Jeden Tag arbeitet er an seinem Paradies. Sei es am Stein, oder beim Hegen und Pflegen der Hunderten von Orchideen und Bromelien. Oder beim ernten der Früchte und Gemüse.
Die beiden „Antennen“ von New York, bezogen auf die beiden Türme welche am elften September dem Terrorakt durch zwei Flugzeuge zum Opfer fielen. Don Alberto erklärt uns, dass nicht nur viele Leute gestorben sind, sondern sehr viele immer noch keine Arbeit haben, weil die Konstruktion der neuen Türme noch nicht abgeschlossen sei (und somit der Arbeitsplatz ja noch nicht wiederhergestellt ist). Dies lässt ein bisschen erahnen, dass sich Teile seiner Welt auch gedanklich in andern Räumen abspielen.
Beim zurückwandern pflückt er uns frische Mandarinen, Sauerorangen und Grapefruits von den Bäumen, schneidet uns Orchideen zum Pflanzen aus und deckt uns mit Samen zum Säen ein. Das sei das, was er uns geben könne. Dabei hat er uns mit seiner Art und dem Einblick in seine Welt doch schon so viel gegeben!
Donnerstag, 19. Februar 2009
Politik, europäische Gelder und geschichtliche Altlasten
Die Spannungen – um nicht von politischer Krise zu sprechen – zwischen Europa und Nicaragua sind nicht von heute auf morgen entstanden. Seit der Wahl Daniel Ortegas zum Präsidenten (Amtsantritt 2007) hat es immer wieder kleinere oder grössere Kritiken gegeben.
Europa (Staat und private Organisationen) haben in den Achtziger und Neunziger Jahren mehrere Tausend Nicht-staatliche Organisationen in Nicaragua gegründet und unterstützt. Und vor allem finanziert. Voraus ging die jahrzehntelangen Diktatur durch die Somoza Familie mit Sturz durch die sandinistische Revolution (1979) und anschliessendem mehrjährigen Contrakrieg. Letzterer durch die USA organisiert und finanziert. Es war Zeit des kalten Krieges.
Europa legte vielleicht auch zuviel Hoffnung in die Rückkehr der Sandinisten an die Regierungsmacht im 2007. Und somit war manche Enttäuschung in den vergangenen 24 Monaten vorprogrammiert.
Mit dem harten Kurs gegen die Opposition im vergangenen Jahr verhärteten sich die Beziehungen. Mit dem generellen Abtreibungsverbot (also auch dann, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist) wurde der Graben zu Frauen- und Menschenrechtsorganisationen auch nicht kleiner. Als dann noch die Oppositionspartei MRS über Nacht als ungültig erklärt und zudem gegen die nicht staatlichen Organisationen rechtliche Schritte zur Annulation eingeleitet wurden, haben sich die ersten europäischen Länder zurückgezogen. Das Fass zum Überlaufen brachte dann der offensichtliche Wahlbetrug auf breiter Front während den lokalen Regierungswahlen im Oktober 2008.
Nun sind die Früchte langsam sichtbar: gähnend leere Budgetposten im Staatshaushalt 2009, deutlich weniger Geldfluss aus dem Ausland in die Entwicklungszusammenarbeit und noch deutlich weniger Finanzhilfe zur staatlichen Verfügung. Und ein lauthals wetternder Regierungskörper gegen die böse kapitalistische Macht Amerikas und Europas, welche in die Politik hineinreden will und die Gelder kürzt.
Geschickt wird in die Opferrolle gewechselt, die Regierung kann nichts für die fehlenden Gelder sondern tut alles nur erdenklich mögliche für das Volk. Neuerdings zieren hunderte Grossplakatinstallationen die Strassen von Managua, mit dem Kopf des Präsidenten und dem Ausspruch: „Cumplirle al pueblo, es cumplirle a Dios…“ oder zu deutsch: Dem Volk dienen und es zufriedenstellen, bedeutet Gott dienen und ihn zufriedenstellen“. Interessant unter dem Aspekt, dass die Sandinisten in den Achzigern gegen die Kirche vorgegangen sind und die Präsidentengattin vor allem für ihre esoterische Ader bekannt ist. Aber beim nötigen Wähleranteil des Volkes funktioniert es nach wie vor.
Am vergangenen Samstagmorgen hörte ich folgende Aussage in einem regionalen Radiosender:
Diese Geschenke aus Europa, diese berühmten Geld-Geschenke (Donationes), sind gar kein Geschenk, das ist eine reine Lüge! Die Wahrheit ist: man gibt uns heute nur einen kleinen Teil von dem zurück, was man uns während der Kolonialisierung genommen hat, diese Unmengen von Gold und Kostbarkeiten, welche man aus unserem Land davongetragen hat.
Obwohl ich inhaltlich eine komplett andere Meinung habe, hat es mir trotzdem ein bisschen die Augen geöffnet. Wenn jemand so denkt, wird der Einstieg in eine geringere Abhängigkeit natürlich schwierig. Und erklärt das Verhalten einiger.
Europa hat über die Jahrzehnte viel selber dazu beigetragen, zu dieser Abhängigkeit. Und zum jetzigen Missmut. Viele Organisationen haben sich daran gewöhnt, Projektgelder oder gar sämtliche Betriebskosten aus dem Ausland überwiesen zu erhalten. Pünktlich und in der notwendigen Höhe. Es hat schon immer kritische Stimmern zur Entwicklungshilfe/Entwicklungszusammenarbeit gegeben, wird es immer geben, und immer wird es auch etwas Wahres daran haben.
Ein Ende der Krise ist im Moment nicht abzusehen. Die Auswirkungen auch noch nicht. Die fehlenden Gelder der Nordamerikaner und der Europäer müssten wohl durch die Kontakte in Asien, Venezuela, Russland und Iran kompensiert werden. Was ja auch nicht gerade Entspannungsfalten ins Gesicht bringt.
Am vergangenen Wochenende hat Hugo Chávez, Präsident von Venezuela, sein Volk soweit gebracht, die Verfassung entsprechend anzupassen, dass eine unbeschränkte Wiederwahl des Präsidenten möglich ist. Ein aktueller, politischer Trend, welcher Nicaragua noch bevorsteht.
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INTERTEAM setzt auf personelle Entwicklungszusammenarbeit. Wir schreiben und finanzieren keine Projekte, sondern stellen ausschliesslich Arbeitskraft und Ausbildung zur Verfügung. Und die Arbeitsinhalte werden durch lokale Partnerorganisationen im Süden definiert. Das löst zwar weder die politische Situation nicht, aber ist ein nach wie vor möglicher und wichtiger Beitrag an die Lebensverbesserung der Menschen. Und jetzt gerade erst recht. Denn während auf politischer Ebene zu Recht Konsequenzen gezogen werden, bleibt als Leidtragender immer der einzelne Mensch übrig.
Mittwoch, 18. Februar 2009
Mit INTERTEAM unterwegs in Nicaragua
Vor einigen Tagen ist Thomas wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Nicht ganz direkt, aber nach 2 Tagen und ungeplantem Zwischenaufenthalt in Costa Rica er doch noch in Kloten angekommen.
Thomas ist zusammen mit Marlis für die Personalgewinnung und -bildung bei INTERTEAM zuständig. Alle zwei Jahre steht ein Besuch eines Einsatzlandes auf dem Programm, um selber Einblick in Land, Leben und Arbeitsbedingungen der Kooperantinnen und Kooperanten zu erhalten. Das hilft dann wieder bei der Einschätzung, wie auch bei der Beratung und Begleitung der „Neuen“ während der Entscheidungs- und Ausreisephase.
Ich durfte Thomas während einer Woche begleiten und habe dadurch auch wieder einen Einblick in die Tätigkeiten und das Umfeld der übrigen INTERTEAM-Leute in Nicaragua erhalten. Das war spannend und auch insofern interessant, zu sehen, dass in vielen Organisationen etwa dieselben Probleme bestehen. Und auch um die verschiedenen Meinungen zu der aktuellen politischen Krise zu hören.
Thomas in Condega beim Verarbeiten der Tageseindrücke.
Samstag, 14. Februar 2009
Schulbeginn …
Nach den langen Ferien ende Jahr hat nun die Schule wieder begonnen. Die Regierung hat für 2009 eine Schwerpunktfokussierung in das Schul- und Gesundheitssystem beschlossen – allerdings gerade in diesen beiden Bereichen auch mächtige Reduktionen im Staatsbudget gemacht, was die Bedeutung dieser grundsätzlich begrüssenswerten Fokussierung leider ziemlich relativiert.
Die Schulreform hat aber auch positive Früchte gebracht: so sehe ich täglich Hunderte von Schülerinnen und Schülern mit gratis abgegebenen Schulrucksäcken. Schulmaterial und -uniform müssen nachwievor die Eltern aufbringen, was vor allem im ländlichen Gebiet sowie bei der städtischen armen Bevölkerung eine Herausforderung bedeutet.
Fabio, der Neffe von Miriam Fabiola, zeigt uns das Spanisch Arbeitsbuch. Und wir sind fleissig am korrigieren, was der Lehrer übersehen hat. Oder selber nicht besser weiss. „b“ und „v“ werden in Spanisch beide als „b“ ausgesprochen. Und somit ist es für die Rechtschreibung schwierig. Dasselbe gilt für c, s und z welche je nach Stellung im Wort ebenfalls gleicht betont werden.
Foto: Thomas Feldmann
Dienstag, 3. Februar 2009







